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love brands – hype oder echte bindung?

Rubrik Branding & Markenbindung
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Über den schmalen Grat zwischen einer Marke, die man liebt, und einer, die man nur eine Saison lang begehrt – und warum der Unterschied kein Zufall ist.

Manche Marken brennen sich nicht ins Bewusstsein, sondern ins Herz. Die Frage ist nur: Ist das echte Zuneigung – oder ein gut getarnter Hype mit Verfallsdatum?

Es gibt Menschen, die vor einem Laden übernachten, um als Erste ein Telefon zu kaufen. Die ihr Notebook verteidigen, als ginge es um ein Familienmitglied. Die das Logo ihrer Lieblingsmarke tragen wie ein Bekenntnis. Apple, Lego, Spotify, Patagonia – diese Marken haben keine Kunden, sie haben Anhänger. Und das wirft eine Frage auf, die im Marketing gern beschworen und selten sauber beantwortet wird: Ist diese Markenliebe echt – oder nur ein cleveres Täuschungsmanöver?

Die gute Nachricht: Man muss darüber nicht spekulieren. Der Mann, der den Begriff geprägt hat, hat auch ein Modell geliefert, das die Frage überraschend präzise beantwortet.

der mann, der marken lieben lehrte

Kevin Roberts, langjähriger CEO der Werbeagentur Saatchi & Saatchi, veröffentlichte 2004 das Buch „Lovemarks: The Future Beyond Brands“. Seine These war radikal: Klassische Marken seien am Ende ihrer Kraft angekommen. In einem Markt voller austauschbarer Produkte reiche Respekt allein nicht mehr – Respekt sei zum Tischpreis geworden, zur Grundvoraussetzung, die niemanden mehr begeistert. Was fehle, sei Liebe.

Roberts prägte den Satz, der seither durch jede Branding-Diskussion geistert: Große Marken schaffen Loyalität aus einem Grund; Lovemarks schaffen „Loyalty Beyond Reason“ – Loyalität jenseits der Vernunft. Und, der vielleicht wichtigste Gedanke: Lovemarks gehören nicht den Unternehmen, sondern den Menschen, die sie lieben. Nimm einer Marke ihr Produkt weg, und der Kunde kauft einen Ersatz. Nimm einer Lovemark etwas weg, und du hast einen Aufstand am Hals.

Der Neurologe Donald Calne hat es auf die kürzeste Formel gebracht: „Vernunft führt zu Schlüssen. Emotion führt zu Handlungen.“

das raster, das hype von liebe trennt

Der eigentliche Schlüssel zur Titelfrage steckt in Roberts' Love/Respect-Achse – einem einfachen Raster mit zwei Dimensionen: wie viel Respekt eine Marke genießt und wie viel Liebe. Kreuzt man beide, entstehen vier Felder, und genau eines davon ist der Hype.

Unten links, bei niedrigem Respekt und niedriger Liebe, sitzen die Commodities – austauschbare Güter, die sich über nichts als den Preis unterscheiden. Oben links, bei hohem Respekt, aber niedriger Liebe, wohnen die meisten klassischen Marken: solide, vertrauenswürdig, geachtet – aber emotional kühl. Unten rechts, und hier wird es entscheidend, liegt die Fad-Zone: hohe Liebe, niedriger Respekt. Das ist der Hype. Trendprodukte, die schnell aufflammen und ebenso schnell verglühen, weil unter der Begeisterung kein Fundament liegt.

Und oben rechts, wo hohe Liebe auf hohen Respekt trifft, thront die Lovemark. Damit ist die Frage „Hype oder echte Bindung?“ keine Meinungssache mehr, sondern eine Positionsbestimmung. Ein Hype ist Liebe ohne Respekt – ein Strohfeuer. Eine echte Love Brand braucht beides: die rationale Anerkennung, dass das Produkt liefert, und die emotionale Bindung, die über die Vernunft hinausreicht.

Ein Hype ist Liebe ohne Respekt. Eine Love Brand ist beides – und genau das macht sie unersetzlich statt bloß begehrt.

woraus liebe wirklich gemacht ist

Wie aber entsteht der Sprung von der respektierten Marke zur geliebten? Roberts nennt drei Zutaten, und sie klingen bewusst nicht nach Controlling: Mystery, Sensuality, Intimacy.

Mystery, das Geheimnisvolle, lebt von großen Geschichten, Mythen und Träumen – man denke an die verschwiegenen Produktenthüllungen, die eine ganze Branche in Atem halten. Sensuality, das Sinnliche, spricht die Sinne direkt an: ein ikonisches Design, ein unverwechselbarer Klang, eine Verpackung, die man anfassen will. Und Intimacy, die Vertrautheit, entsteht aus Empathie, Hingabe und der kleinen, perfekten Geste, die aus einem Käufer einen Vertrauten macht. Zusammen erzeugen sie das, was keine Fokusgruppe planen kann.

Darunter liegt ein psychologischer Mechanismus, der erklärt, warum das so kraftvoll wirkt: Menschen definieren sich über ihre Marken. Wer ein Produkt kauft, kauft ein Stück Identität mit – „ich bin so jemand“. Deshalb verkaufen Love Brands nie den Gegenstand, sondern das Gefühl: nicht Turnschuhe, sondern eine Haltung; nicht Bausteine, sondern grenzenlose Kreativität. Das Produkt ist nur der Träger.

und die kritiker?

Natürlich gibt es Gegenstimmen, und sie sind ernst zu nehmen. Der Markenexperte Hans-Christian Schwingen etwa hält die emotionale Aufladung für vor allem eines: das Ergebnis ausgeklügelten Marketings. Und die Frage sticht: Käme morgen ein besseres, günstigeres, schnelleres Produkt – würden die Hardcore-Fans nicht doch heimlich hinüberschielen?

Die ehrliche Antwort lautet: teils. Genau hier liegt der Wert des Achsenmodells. Eine Marke, die nur auf Liebe ohne Respekt setzt – der klassische Hype – verliert ihre Fans, sobald das nächste glänzende Objekt auftaucht. Eine echte Lovemark dagegen, die Respekt und Liebe verbindet, kann sich dem Wettbewerb ein Stück weit entziehen. Ihre Anhänger verzeihen Fehler, zahlen mehr und verteidigen die Marke ungefragt. Die Liebe macht nicht blind – aber sie macht widerstandsfähig.

die sehnsucht, die dahintersteckt

Ob man das Phänomen nun feiert oder skeptisch beäugt, eines bleibt unbestritten: Menschen sehnen sich nach Emotion, nach Zugehörigkeit, nach ein wenig Glanz in ihrer Konsumwelt. Gerade in einer digitalisierten Welt, in der vieles distanziert wirkt, geben Marken ein Stück Heimatgefühl. Roberts selbst hat es einmal so formuliert: Die Menschen könnten die Werbeslogans nicht mehr hören – sie wollten Erlebnisse statt Daten, Geheimnisse statt Fakten. In einer Welt, in der wir einsam auf Bildschirme starren, sehnen wir uns nach Halt und echten Gefühlen.

Bemerkenswert ist, dass Love Brands ausgerechnet jetzt ein Comeback erleben – klüger als in den 2000ern, digital fokussiert, community-getrieben. Diesmal geht es nicht um Hochglanz und teure Kampagnen, sondern um Authentizität, echten Dialog und Haltung. Marken wie Patagonia oder Oatly zeigen, wie es geht: Sie stehen für etwas – und damit auch gegen etwas. Wer jeden ansprechen will, spricht am Ende niemanden wirklich an. Wer Haltung zeigt, gewinnt die Menschen, die wirklich passen.

Am Ende ist die Antwort auf die Titelfrage weder „nur Hype“ noch „reine Liebe“, sondern eine Frage der Position. Eine echte Love Brand entsteht nicht durch eine clevere Kampagne, sondern durch konsequente Arbeit über Jahre – durch Respekt, den man sich verdient, und Liebe, die man nicht kaufen, sondern nur ermöglichen kann. Genau das ist unser Handwerk: Marken so zu bauen, dass sie nicht nur wahrgenommen, sondern gefühlt werden. Denn eine Marke, die man nur respektiert, tauscht man aus. Eine, die man liebt, verteidigt man.

Quellenverzeichnis

  1. 01Roberts, K. (2004): „Lovemarks: The Future Beyond Brands“, powerHouse Books – Ursprung des Love-Brand-Konzepts.
  2. 02Kevin Roberts / Saatchi & Saatchi: „Love/Respect Axis“ – vier Felder Commodities, Fads (Hype), Brands, Lovemarks.
  3. 03Kevin Roberts: „Loyalty Beyond Reason“ – Mystery, Sensuality & Intimacy als Bausteine der Markenliebe.
  4. 04Wikipedia / Kevin Duncan: „Lovemark“ – „Loyalty beyond reason requires emotional connections of highest love and respect“.
  5. 05Donald Calne (via K. Roberts): „Reason leads to conclusions, emotion leads to action“ – emotionale Handlungssteuerung.
  6. 06Hans-Christian Schwingen: kritische Einordnung der emotionalen Markenaufladung als Marketingeffekt.
  7. 07Hilker Consulting (2025): „Love Brands – Beliebte Marken in Social Media“ – Comeback der Love Brands, digital & community-fokussiert.

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